Erläuterungen zur Übersicht

Was ist eine Nebenklage und wer kann Nebenkläger werden?
Die Nebenklage ist wohl Ihr stärkstes Mittel aktiv am Strafverfahren teilzunehmen.
In vielen Fällen kann das Opfer beantragen, sich als Nebenkläger dem Strafverfahren anzuschließen. Eine Nebenklage ist zu jeder Zeit des Prozesses möglich.

Als Nebenkläger haben Sie als Opfer das Recht und somit die Möglichkeit, Ihre Interessen direkt in das Strafverfahren einzubringen.

In aller Regel befasst sich das Strafverfahren intensiv mit dem Täter, ihm gilt die Aufmerksamkeit während der Ermittlungen und des Strafverfahrens.
Hierbei bleibt die Sicht des Opfers, nämlich IHRE SICHT, IHRE  belastende Situation aufgrund der Tat und deren Folgen  im Verfahren oftmals ohne besondere Beachtung.
Dieser Umstand ist darin begründet, dass der Staat seinen Strafanspruch gegen Straftäter auf Einhaltung der Rechtsordnung durchsetzen muss.
Im Strafverfahren geht es leider nicht um die Schadenwidergutmachung oder um Schadenersatzansprüche des Opfers gegen den Täter. Eine Nebenklage schafft hier ganz erhebliche Vorteile für Sie.

Sie haben als Nebenkläger jedes Fragerecht und können sämtliche Beweisanträge stellen. Das Opfer kann als geschädigter Zeuge von Beginn der Verhandlung, also vor Ihrer Vernehmung bei Gericht fortwährend an der Strafverhandlung teilnehmen.
Der Verletzte kann Sachverständigengutachten beantragen, neben der Staatsanwaltschaft ein Plädoyer mit einem gesonderten Strafantrag zur Verurteilung des Täters stellen. Auch ein Antrag auf Befangenheit des Richters steht Ihnen als Nebenkläger zu.

Durch all diese strafprozessualen Möglichkeiten können Ihre Rechte und Interessen aktiv und direkt im Strafverfahren wahrgenommen werden.
Hierdurch kann Sie also den Prozess und damit die Strafhöhe (Urteil) gegen den Täter beeinflussen.



Nebenkläger kann werden, wer Opfer einer Straftat gemäß § 395 STPO ist.
§ 395 STPO beinhaltet folgende Straftaten:
- § 174 STGB, Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen
- § 174 a STGB, Sexueller Missbrauch von Gefangenen, behördlich Verwahrten oder
   Kranken in Hilfsbedürftigen Einrichtungen
- § 174 b STGB,Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung einer Amtsstellung
- § 174 c STGB, Sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Beratungs-, Behandlungs-,
  oder Betreuungsverhältnisses
- § 176 STGB, Sexueller Missbrauch von Kindern
- § 176 a STGB, Schwerer sexueller Missbrauch von Kindern
- § 176 b STGB, Sexueller Missbrauch von Kindern mit Todesfolge
- § 177 STGB, Sexuelle Nötigung und Vergewaltigung
- § 178 STGB, sexuelle Nötigung und Vergewaltigung mit Todesfolge
- § 179 STGB, Sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen
- § 180 STGB, Förderung sexueller Handlungen von Minderjährigen
- § 180 a STGB, Ausbeutung von Prostituierten
- § 181 a STGB, Zuhälterei
- § 182 STGB, Sexueller Missbrauch von Jugendlichen
- §§ 211, 23 STGB, versuchter Totschlag
- § 212, 23 STGB, versuchter Mord
- § 221 STGB, Aussetzung
- § 223 STGB, Köeperverletzung
- § 224 STGB, Gefährliche Körperverletzung
- § 225 STGB, Misshandlung von Schutzbefohlenen
- § 226 STGB, Schwere Körperverletzung

  • § 340 STGB, Körperverletzung im Amt
  • § 232 STGB, Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung
  • § 233 STGB, Menschenhandel zum Zwecke der Ausbeutung der Arbeitskraft
  • §233 a STGB, Förderung des Menschenhandel
  • § 234 STGB, Menschenraub
  • § 234 a STGB, Verschleppung
  • § 235 STGB, Entziehung Minderjähriger

- § 237 STGB, Zwangsheirat
- § 238 STGB, Nachstellung, Stalking
- § 239 STGB, Freiheitsberaubung
- § 239 a STGB, Erpresserischer Menschenraub
- § 239 b STGB, Geiselnahme
- § 240 IV STGB, Nötigung

- § 4 Gewaltschutzgesetz, (GewSchG)
Ferner benennt § 395 STPO weitere Schutzvorschriften u. a. aus dem Urheberrecht, Patentgesetz, Markengesetz, UWG etc.

Das Recht zur Nebenklage steht gemäß § 395 Absatz 2 STPO auch allen Personen zu, deren Kinder, Eltern, Geschwister, Ehegatten oder Lebenspartner durch eine rechtswidrige Tat getötet wurden.

 

Muss für die Nebenklage ein Rechtsanwalt beauftragt werden?
Auch die Nebenklage können Sie ohne Rechtsbeistand durchführen.
Bei einer Nebenklage sollte das Opfer sich jedoch frühzeitig eines Rechtsbeistandes bedienen, der über hinreichend Erfahrung im Bereich der Opfervertretung verfügt. Die Ausübung der Nebenklage mit all ihren juristischen Alternativen erfordern in der Regel fundierte rechtliche Kenntnisse.
Ausserdem sollte das Opfer neben der Bewältigung der Tatfolgen sich möglichst nicht noch mit Formvorschriften und Gesetzen umher schlagen müssen.


Wer trägt die Kosten der Nebenklage?
Da der Anwalt vom Opfer beauftragt wird, muss der Verletzte als Mandant somit die Kosten seines Rechtsbeistandes tragen. Der Anwalt darf gesetzlich geregelt (BRAO, Rechtsdienstleistungsgesetz) nicht ohne Honorar arbeiten und bestreitet von seiner Tätigkeit seinen Lebensunterhalt.

Aber:
Bei schwerwiegenden Delikten wird Ihnen als Nebenkläger auf Ihren Antrag ein Rechtsbeistand beigeordnet. Die Kosten werden dann von der Staatskasse getragen.
Bei einer Verurteilung des Täters muss dieser die Kosten des Nebenklägers tragen.

Wird dem Nebenkläger kein Anwalt durch das Gericht beigeordnet und kann er die Kosten wegen seinen finanziellen Verhältnissen nicht zahlen, kann eine Prozesskostenhilfe beantragt werden.

Auch die Hilfsorganisation „Der weiße Ring e.V.“ hilft Ihnen schnell und unbürokratisch finanziell um die Kosten eines Rechtsbeistandes zu übernehmen.