Erläuterungen zur Übersicht

Was ist ein Adhäsionsverfahren? (Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche)
Sie haben als Opfer einer Straftat einen Anspruch auf Schmerzensgeld für die erlittenen Schmerzen körperlicher und auch psychischer Art, eben für die Folgen der Tat.

Hierbei kann je nach dem Einzelfall das Schmerzensgeld als einmalige Summe oder als Schmerzensgeldrente beansprucht werden.

Ferner haben Sie Schadenersatzansprüche gegen den Täter (auch gegenüber Behörden, Krankenkassen und Versicherungen).
Hierunter zählen all die materiellen Schäden, die Ihnen infolge der Tat entstanden sind. Dies können das Ersetzen von beschädigten Sachen, Verdienstausfall etc. sein.

Diese Rechte werden im „normalen“ Strafverfahren nicht behandelt, da hier die Verurteilung des Täters das Ziel ist.

Somit sind Sie als Geschädigter gezwungen, diese (Geld)Ansprüche gegen den Täter auf dem zivilrechtlichen Wege durch eine Klage geltend zu machen. Es müsste also ein separates Verfahren gegen den Täter durch Sie betrieben werden.

Eine Möglichkeit die genannten Ansprüche im Zuge des Strafverfahrens einfließen zu lassen, bietet das sogenannte Adhäsionsverfahren.
Die Zulassung des Adhäsionsverfahren muss beim zuständigen Strafgericht durch Sie beantragt werden. §§ 403 ff STPO

Das Opfer muss in der Adhäsion dem Strafgericht vortragen, welche Schäden ihm entstanden sind, welche Höhe des Schmerzensgeld beansprucht wird. Die Höhe des Schmerzensgeldes wurde in der  Rechtsprechung in unzähligen Fällen behandelt, so dass sich hier die Höhen des Schmerzensgeldes gefestigt haben, die auf die jeweilig erlittene Folge der Tat anzuwenden sind. Die Rechtsprechung orientiert sich hierbei an medizinischen Sachverständigengutachten und den medizinischen Prognosen wegen der Folgen der Tat für das Opfer.

 

Wird der Täter im Strafverfahren verurteilt, kann das Strafgericht direkt im selben Verfahren über Ihre Ansprüche entscheiden. Sollte die Berechnung der genannten zivilrechtlichen Ansprüche infolge ihrer Komplexität zu umfangreich und schwierig sein, birgt dies jedoch die Gefahr, dass Ihnen zu niedrige Beträge zugesprochen werden.

Erfolgt im Adhäsionsverfahren also ein Urteil auch über den Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadenersatz, der zu niedrig ausfällt, kann das Opfer seinen Anspruch auch nicht mehr auf dem zivilrechtlichen Wege verfolgen. Das Urteil des Strafgerichts steht dann dem Urteil eines Zivilgerichts gleich.

Da die Strafgerichte sich jedoch ausschließlich mit dem Strafrecht und nicht mit - oftmals komplizierten zivilrechtlichen - Fragen zur Höhe und Umfang von Schmerzensgeld oder Schadenersatzansprüchen befassen, liegt im Adhäsionsverfahren die Gefahr, dass die geldwerten Anspruch für das Opfer viel zu niedrig ausfallen können.

Es erfordert daher stets eine umfassende Prüfung durch das Opfer, ob seine zivilrechtlichen Ansprüche im Wege eines Adhäsionsverfahrens im Strafverfahren oder losgelöst vom Strafverfahren vor einem Zivilgericht geltend gemacht werden sollten.



Brauche ich als Opfer für das Adhäsionsverfahren einen Rechtsanwalt?
Auch für dieses Verfahren benötigen Sie keinen Rechtsanwalt.
Da zur Beurteilung des Adhäsionsverfahrens jedoch auch fundierte Rechtskenntnisse im Zivilrecht vorhanden sein müssen, empfiehlt es sich, dass Sie sich zumindest durch einen Rechtsanwalt beraten lässt.



Wer trägt die Kosten des Adhäsionsverfahrens?
Auch hier gilt: Da der Anwalt vom Opfer beauftragt wird, muss der Verletzte als Mandant somit die Kosten seines Rechtsbeistandes tragen. Der Anwalt darf gesetzlich geregelt (BRAO, Rechtsdienstleistungsgesetz) nicht ohne Honorar arbeiten und bestreitet von seiner Tätigkeit seinen Lebensunterhalt.

Aber:
Wird der Täter verurteilt, muss er auch die Kosten des Adhäsionsverfahrens, also Ihre Anwaltskosten tragen.
Können Sie die Kosten des Adhäsionsverfahrens nicht aus eigener Tasche zahlen aufgrund Ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse, kommt ein Antrag auf eine Prozesskostenhilfe in Betracht.

Wenn Sie über eine Rechtsschutzversicherung verfügen, können die Kosten auch von Ihre Versicherung übernommen werden.

Auch die Hilfsorganisation „Der weiße Ring e.V.“ hilft Opfern schnell und unbürokratisch finanziell um die Kosten eines Rechtsbeistandes zu übernehmen.